Schnoeselchen

Lea´s letztes Jahr




2009 im Frühjahr stellte ich bei Lea an der Milchleiste 2 Knoten fest. Ein Besuch beim TA folgte sofort. Die Diagnose malignes Mamakarzinom.
Die Knoten wurden also entfernt.
Von dieser ersten OP erholte sich Lea sehr schnell, sie tippelte mit ihrem Trichter durch die Gegend, war munter wie eh und je.
Die Fäden würden sich von alleine auflösen, meinte die TA. Also beobachtete ich dies nur. Es dauerte lange und an der Narbe stellte ich recht bald eine Verhärtung fest. Ich nahm an das dies von der Narbe kam.
Wie blauäugig ich war, konnte ich nicht ahnen zu diesem Zeitpunkt.

Lea war nun zwar eine Schmusebacke, aber ihr Bäuchlein gehörte ihr und sie ließ sich nur selten dort streicheln.
Da es ihr gut ging sie wie früher aktiv am Leben teinahm, machte ich mir keine weiteren Gedanken vorerst.

Im November, sie hatte eine ihrer Touren, so sie sich hier auf dem PC-Tisch rumkullerte und mir ihr Bäuchlein hinstreckte, da fühlte ich sie die kleinen Knötchen.
Sofort machte ich einen Termin aus, für die nun große OP.
Anfang Dezember, erfolgte dann ihre große OP, dabei stellte die TA fest das ein Knoten in der Achsel also Lymphbahn vorhanden war. Dieser wurde also gleich mitentfernt. Innerlich wußte ich wohl was dies bedeutete, denn ich willigte nicht mehr ein diesen Knoten einzuschicken.

Lea brauchte dieses mal so unsagbar lange, bis sie wieder munter wurde. Es vergingen mehrere Tage bis sie selbstsändig das KAKLO aufsuchte und sich wieder Freier in der Wohnung bewegte.
Ab diesem Zeitpunkt, war eigendlich ihr Verhalten schon verändert.
Sicher schlief sie ab und an mit im Bett oder krabbelte unter die Bettdecke für wenige Minuten.
Doch ab dem Moment wo wir von der OP nach hause kamen, schlief sie ganz nah bei mir am Kopf, bis 3 Wochen vor ihrem Abschied.
Ich genoss es einfach nur das sie die eh mein Schatten war, nun auch mich begleitete beim Schlafen.
Lea wußte da wohl schon, das sie jede Minute mit mir auskosten mußte, weil nur wenig Zeit noch verblieb.

Da vor der großen OP ein Blutbild gemacht wurde : Wurde auch festgestellt das ihre Nierenwerte sehr hoch sind.
Folglich bekam sie nun Nierenfutter, als einzige Behandlung. Wie gut nur das Lea TROFU für ihr Leben gerne frass.

Unmerklich für mich zu erst, begann sie weniger zu Fressen, die Jungs klauten ihr es oft.
Ende März, ich hatte Nachtdienst und so konnte Lea nicht bei mir Schlafen. Doch sie kam auch nicht über Tag.
Statt dessen zog sie sich zurück auf den Bücherschrank. Zu erst dachte ich, sie würde Schmollen, weil im dunklen am Tage wolle sie auch nicht.
Doch auch als ich Frei hatte, kam sie ab anfang März nicht mehr ins Schlafzimmer, weder zur Begrüßung noch zum Kuscheln.
Immer öfters lag sie dort auf dem Regal und kam nur wenn sie hörte das ich TROFU für alle verteilte.
Dann frass sie wenige Brocken und ging etwas Gras knabbern um sich dann wieder zurück zu ziehen.
Wasser nam sie aber nach wie vor zu sich, am liebsten aus dem Wasserhan.

Ich glaube es war die Woche bevor sie ging...ich ging Schlafen, Lea war wie immer zum TROFU Mitternachtsimbis dabei. Als ich mich legte kam sie an, so wie immer....nein es war nicht wie immer. Denn sie legte sich auf meine Brust, streckte ihr Pfötschen aus in mein Gesicht und ich schlief unter ihrem Schnurren ein. Später in der Nacht lag sie dann da wo sie die letzten Wochen immer lag, ging aber gegen Morgen dann zurück auf ihr Bücherregal.
Ich denke heute, das dies schon eine Art Abschied war. Auch wenn ich es versuchte so, spürte sie doch das ich große Sorgen hatte und mich Quälte.
Ob sie mich damit beruhigen wollte. Diese Nacht werde ich nie vergessen, ihre letzte an meiner Seite.

Zusehends ging es ihr schlechter, wenn sie vom Regal sprang hustete sie für eine kurze Zeit, um dann in richtung Küsche zu gehen um Wasser zusaufen oder etwas Gras zu knabbern.
Es begann ein Auf und Ab, es gab gute und schlechte Tage.
Sonnte sie sich am Dienstag den 13 noch auf der Fensterbank, so verschlief sie den 14.04 fast ganz. Innerlich wußte ich das die Zeit sehr knapp wurde.
Sehr erschrocken war ich dann in der Nacht vom 14 auf dem 15.04. Sie sprang auf das Büscherregal und bekam dabei Atemnot. Ich schnappte mir die Leiter und streichelte sie bis dieser Anfall vorbei war.

War es verzweifelung, am 15.04. fuhr ich Nachmittags loß kaufte wie eine Wahnsinnige ein "Multivitaminpaste, Vitaminflocken, Kitten TROFU". Doch es war zu Spät :-(
Als ich zurück kam, kam sie mir schon entgegen, mir rasselnder und pfeinder Atmung. Sie legte sich ganz lang auf den kühlen Boden. Ich schnappte sie mir und brachte sie ans offene Fenster. Sie blieb dort für wenige Minuten einfach liegen, schaute mich an und ich wußte JETZT ist es soweit.
Meschanich aber auch Panisch rief ich bei meiner Tochter an, war ich doch im Glauben ich schaffe es nicht alleine. Doch sie war noch auf der Arbeit. Zu unserer TA war es unmöglich hinzufahren, selbst wenn sie Sprechstunde gehabt hätte, der Weg war zu weit und ich wäre sicher keine gute Fahrerin gewesen.
Schweren Herzens, wählte ich die Nummer der hießigen Tierklinik....
Der Weg dort hin, ich kam mir vor als ob ich sie Verrate, denn sie wirkte auf einmal wieder munterer, schaute aus der Box als ich noch einen Moment im Auto verweilte.
Am liebsten wäre ich umgedreht nach Hause...doch ich wußte es ja die Zeit war da.
Die Ta hörte sie ab und bestätigte meinen Verdacht, ihre Atmung war schwer zu laut. Der Krebs hatte längst die Lunge erreischt.
Auch hatte sie neue Knoten am Bäuchlein.

Was blieb war Abschied zu nehmen von meiner Lea, die mich treu 7 Jahre begleitet hatte...
Der Heimweg war bitter, aber ich schaffte ihn ohne Unfall.
Daheim verabschiedeten sich Nell und Mika von ihr und ich nahm ihren noch warmen Körper ein letztes mal in den Arm, es war unheimlich, sie nicht zappelnd dort zu halten.

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HP-Wächterin
gemalt von Stefan Pabst

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